ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) ist eine neurobiologische Erkrankung, deren Symptome meist schon vor dem 12. Lebensjahr beginnen. Sie beeinflusst, wie gut wir uns konzentrieren, Impulse kontrollieren und innere Unruhe regulieren.
Die Kernsymptome von ADHS lassen sich in drei Bereiche einteilen:
Unaufmerksamkeit: Schwierigkeiten, bei einer Sache zu bleiben oder den Überblick zu behalten. Typische Alltagssituationen sind:
- Man startet eine neue Serie oder ein Buch und merkt nach einigen Kapiteln, dass man die Handlung kaum verfolgt hat, weil die Gedanken immer wieder abschweifen.
- Beim Kochen vergisst man häufig einzelne Schritte im Rezept, obwohl man es mehrfach durchgelesen hat.
- In Gesprächen verliert man leicht den roten Faden oder hört Details über, obwohl man eigentlich aufmerksam zuhört.
- Am Computer springt man ständig zwischen Tabs, Nachrichten und Aufgabenlisten hin und her, ohne wirklich voranzukommen.
- Beim Einkaufen oder im Supermarkt vergisst man regelmäßig, was auf der Liste stand, weil andere Eindrücke die Aufmerksamkeit fesseln.
Impulsivität: Entscheidungen oder Handlungen werden oft ohne ausreichendes Nachdenken getroffen. Beispiele sind:
- Schnell „Ja“ sagen zu Verabredungen oder Projekten, obwohl man eigentlich schon ausgelastet ist.
- Sofort auf Nachrichten oder E-Mails reagieren, auch wenn es vielleicht besser wäre, kurz zu überlegen.
- Unüberlegte Wortmeldungen in Diskussionen, die man später bereut.
- Spontanes Ausprobieren neuer Apps, Gadgets oder Rezepte, ohne vorher zu prüfen, ob es wirklich passt.
- Im Straßenverkehr oder beim Sport hektische, schnelle Entscheidungen treffen, z. B. abrupt Spur wechseln oder ohne Vorbereitung starten.
Hyperaktivität: Viele Betroffene fühlen sich innerlich unruhig oder müssen aktiv bleiben, selbst in Momenten, in denen Ruhe erwartet wird. Das zeigt sich zum Beispiel in folgenden Momenten:
- Beim Fernsehen oder Lesen ständig die Beine bewegen, die Hände beschäftigen oder aufstehen, um kurz etwas anderes zu tun.
- In Meetings oder Vorträgen kleine Tätigkeiten machen, wie Stifte sortieren, Notizen umblättern oder Gegenstände verschieben.
- Spaziergänge oder kurze Bewegungsrunden zwischendurch, um „Dampf abzulassen“, auch wenn es zeitlich nicht optimal passt.
- Im Homeoffice häufig zwischen Arbeitsbereichen wechseln oder Tasks umstellen, um die innere Unruhe zu kanalisieren.
Menschen mit ADHS erleben den Alltag oft als besonders anstrengend und haben das Gefühl, hinter ihren eigenen Möglichkeiten zurückzubleiben. Herausforderungen im Beruf, in der Familie oder im sozialen Leben sind dabei häufig, aber nicht unüberwindbar.
Es gibt zahlreiche Strategien, den Alltag besser zu strukturieren und die eigenen Stärken gezielt einzusetzen – ADHS bedeutet nicht, dass man seine Ziele nicht erreichen kann.